Nina C. Hasse | Ersticktes Matt


© Nina C. Hasse
© Nina C. Hasse

 

Nina C. Hasse präsentiert mit Ersticktes Matt den ersten Band ihrer Floodlandreihe. Gemeinsam mit dem Gesichtsanalytiker Remy Lafayette und Detective Madeleine Vezér begeben wir uns auf eine Reise in das New York des ausgehenden 19. Jahrhunderts und in das Genre des Steampunk. Für mich ein unbekanntes Terrain, dass ich zunächst entdecken und in dem ich mich zurechtfinden musste.

 

 


WORUM ES GEHT

 

In einem Elendsviertel geschehen mysteriöse Morde an Frauen. Einem perfiden Spiel gleich hinterlässt der Täter bei den Opfern Schachfiguren, deren Bedeutung den Ermittlern Remy Lafayette und Detective Madeline Vezér zunächst verschlossen bleibt.

 

Bald stellt sich heraus, dass sich die Morde nicht nur auf die Vereinigten Staaten beschränken, sondern in England der sogenannte Schachbrettmörder, nach dem gleichen Muster vorgegangen ist. Mithilfe der Londoner Detectives Ermelyn Engels und Lloyd kommen Lafayette und Vezér dem Täter näher – ohne zu ahnen, wie weit der Fall in die eigene Vergangenheit reicht.

 

MEINE MEINUNG

 

Nina C. Hasse fühlt sich im Genre des Steampunk zuhause und verlegt ihren Schauplatz entsprechend in das New York von 1883, genauer in die fiktiven Floodlands, einem Elendsviertel.  Das Setting ist neu für mich, und ich habe etwas gebraucht, um mich mit den Besonderheiten des Genres anzufreunden. Dank der tollen Erzählstimme und der plastischen Schauplatzbeschreibungen hatte ich alles relativ schnell vor Augen und konnte mich gut zurechtfinden.

 

Die ruhige Erzählart schafft Raum für die Entfaltung der Figuren, die allesamt glaubwürdig ihren Platz in dem Krimi einnehmen, genug über sich verraten, um mit ihnen zu fühlen und sich in sie hineinversetzen zu können. Und nicht zu viel von sich preisgeben, um interessant und spannend zu bleiben. Ich habe mein Herz an die britische Ermittlerin Engels, auch Fox genannt, verloren, deren Hintergrund mich absolut gefesselt und den Hauptfiguren die Show gestohlen hat. Ich hoffe auf ein Wiedersehen im nächsten Band!

 

Besonders gut gefallen hat mir die Lösung der Autorin im Hinblick auf die Dialoggestaltung zwischen den Detectives und der taubstummen Cathrin: ihre Dialoge werden einfach kursiv gehalten und entsprechend zugefügt, ohne ständig zu betonen, dass sie diese notieren muss! An diesem Beispiel zeigt sich, dass Hasse ihr Handwerk versteht.

 

Die Geschichte um den Schachbrettmörder ist unaufgeregt und flüssig erzählt, büßt aber nichts an Spannung ein. Der Plot ist gut konstruiert, wartet mit überraschenden Wendungen auf und setzt raffinierte Cliffhanger. Das Ende hat mich überrascht, greift es doch ein Thema auf, das die heutige Gesellschaft stark polarisiert und zu einer eigenen Auseinandersetzung zu der Thematik führt.

 

Das Cover ist schlicht gehalten, das grundlegende Thema wird konsequent in folgenden Kurzgeschichten und auf der Website zu den Floodland-Krimis weitergeführt. Den Lesefluss gestört haben die sich häufenden Flüchtigkeitsfehler. So fehlten im letzten Drittel einzelne Buchstaben bis hin zu ganzen Sätzen.

 

FAZIT

 

Mir hat der Steampunk-Krimi gut gefallen. Das Genre war Neuland für mich, aber Hasse hat mich als Leser an die Hand genommen und mich durch die Besonderheiten geführt. Ich habe mich zu keinem Zeitpunkt alleine gelassen und gut unterhalten gefühlt. Ein spannender Plot, Figuren mit Tiefe und ein polarisierendes Ende machen Ersticktes Matt zu einer Perle unter den Selfpublisher-Titeln, der handwerklich top und nicht nur für Fans des Steampunks lesenswert ist.