Buchwächter - Das Buch der Phantasien      | Andreas Hagemann


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© Andreas Hagemann

 

Andreas Hagemann ist zurück. Zwei Jahre nach der Veröffentlichung seines letzten Bandes der Xerubian-Reihe legt der Autor mit Das Buch der Phantasien den ersten Band seiner neuen Reihe Buchwächter vor. Hier treffen Elemente des Steampunk auf Magie und Fantasy. Eine Mischung, die gute Unterhaltung verspricht und neugierig macht auf die Geschichte. Hagemann betätigt sich hier aber nicht nur als Erzähler, sondern schmückt seinen ersten Band mit für diese Reihe erstellten Zeichnungen aus eigener Hand. 



WORUM ES GEHT

 

Von seinen Mitschülern gehänselt und gepeinigt, landet Finnley Ward eines Tages bei einer erneuten Flucht im Buchladen von Arthur Robinson. Der Junge kommt dadurch mit einer Welt in Berührung, die seine Gedankenwelt und seine Vorstellung von der Realität auf den Kopf stellt. Er erfährt, dass Bücher existieren, die an Magie gekoppelt sind und die Realität beeinflussen können – geraten sie einmal in die falschen Hände. Als sich bei ihm die Fähigkeit offenbart, Phantasien hören und sehen zu können, muss er zugleich begreifen, dass deren Existenz auf dem Spiel steht – und er seine Rolle zu deren Rettung einnehmen muss.

 

MEINE MEINUNG

 

Vorab muss ich gestehen, dass ich begeistert von der Idee des Autors und der entsprechenden Arbeit von Alexander Kopainski bin. Das Layout des Buchcovers ist super gelungen, suggeriert es doch, das Buch der Phantasien wirklich in den Händen zu halten. Der Buchrücken sorgt dafür, dass sich im Buchregal ein Hingucker befindet, zu dem sich hoffentlich bald weitere gesellen werden.  

 

Der Anfang der Geschichte hat mich zunächst an Die Unendliche Geschichte von Michael Ende erinnert. Der schwächliche Junge, der von seinen Mitschülern tyrannisiert und gepeinigt wird, findet eines Tages Zuflucht in einem Buchladen. Doch anstatt ein Buch zu stehlen, bekommt Finn Ward eines von dem Besitzer, Arthur Robinson, geliehen. Es entspinnt sich eine Freundschaft zwischen den Beiden, in deren Verlauf Finn mit der magischen Welt der Bücher konfrontiert wird. 

 

Hagemann präsentiert dem Leser, gemeinsam mit Finn, Stück für Stück von dieser Welt. Mit der Registrierkasse Ka-Tsching und der Türglocke Ring lernt Finn die sogenannten Buchwächter kennen. Sie sind die Beschützer der Phantasien und unterstehen dem Rat der Wächter. Dieser lenkt die Buchwächter und beobachtet das Geschehen in der Welt. Dazu kommen die magischen Bücher, die mit besonderen Eigenschaften versehen sind. Zu ihnen gehört das Buch der Phantasien. Bewacht werden diese magischen Exemplare von den Buchhändlern – in diesem Fall von Arthur Robinson. Hagemann erschafft eine Welt, die interessant zu werden verspricht. Leider bleibt sie im ersten Teil der Reihe noch im Hintergrund.

 

Mit Nepomuk Burke führt Hagemann den Antagonisten ein. Der als klein und schwächlich beschriebene Mann, gesegnet mit einem wachen Verstand, befindet sich auf der Suche nach einem bestimmten Buch, das er im Buchladen von Arthur Robinson vermutet. Er trifft eines Tages im Buchladen auf Finn und erkennt in ihm die Vereitelung seines Vorhabens, das Buch der Phantasien in seinen Besitz zu bekommen. So richtig bedrohlich wirkte Burke nicht auf mich, die von ihm ausgehende Bedrohung fand ich etwas schwach. Lediglich am Ende scheint er ein wirklich ernst zu nehmender Gegner zu sein, mit dem nicht zu spaßen ist. Das ist zuvor nicht wirklich durchgekommen. 

 

Die Phantasien spielen in der Geschichte eine übergeordnete Rolle. In kurzen Zwischenspielen erzählt Hagemann aus der Sicht der ersten Phantasie von der drohenden Gefahr, dass die guten Phantasien verblassen und zu verschwinden drohen. Geschuldet ist dies der fehlenden Zeit der Menschen, ein gutes Buch in die Hand zu nehmen und den Phantasien dadurch Kraft zu geben. Eine schöne Anspielung darauf, dass die heutigen Medien bei den jungen Menschen zu einer Art Lesefaulheit führen und der stressige Alltag, in dem wir uns bewegen, Kraft und Energie kostet. Wer kennt das nicht von sich: der Arbeitsalltag führt dazu, dass man nur noch auf die Couch fallen und sich von Netflix und Co berieseln lassen möchte. Das Lesen ist zu anstrengend, die Konzentration fehlt, und der SuB wächst und wächst und ... 

Dennoch ist mir die Bedeutung dieser Zwischenszenen nicht ganz klar geworden. Dienen sie als Vorbereitung auf die weiteren Bände? 

 

Was klar wird: Finn hat eine besondere Gabe in sich, die er für sich nutzen kann und die ihm im weiteren Verlauf aus brenzligen Situationen verhilft. Vor allem, als das Buch der Phantasien aus der Buchhandlung gestohlen wird und sich herausstellt, dass eine Figur nicht die zu sein scheint, die sie vorgegeben hat zu sein. 

Der Strang von dem Verlust des Buches bis zum Kampf um das Buch zieht sich leider etwas in die Länge und hätte kürzer ausfallen können. Doch auch hier wird der Leser entschädigt. Denn der Showdown bietet einiges auf. 

 

Die Registrierkasse Ka-Tsching und die Türglocke Ring bedienen die humorvolle Seite der Geschichte. Ring übernimmt dabei den überdreht-lakonischen Part, was Hagemann durch den Berliner Akzent hervorheben will. Der Gedanke dahinter passt, die Umsetzung allerdings erschwert das Lesen der Schlagabtausche der beiden Figuren. Daneben gibt es noch den Bücherwurm Karl, der mein heimlicher Liebling der Geschichte ist! Gibt es ihn demnächst als Merchandising-Figur zum Kuscheln? Er hat auf jeden Fall einen Platz in meinem Herzen! Wehe, er taucht im Folgeband nicht auf!

 

Hagemann zeigt in Buchwächter, dass er erzählen kann. Sein Markenzeichen sind dabei die eingestreuten humoristischen Einlagen, die teils Slapstick-artig anmuten. Nicht immer funktioniert diese Form, die in einem Film oder einer TV-Show besser aufgehoben sind. Die wechselnden Perspektiven sind gut gewählt, bis auf Gillian Cleverdon. Für das Überraschungsmoment wäre es meiner Meinung nach sinnvoller gewesen, diese auszusparen und die Figur anders in die Geschichte einzubinden.

 

Bin ich beim Schauplatz zunächst davon ausgegangen, dass ich mich in der heutigen Zeit befinde, wurde ich schnell eines Besseren belehrt. Im Nachwort betont Hagemann, keinen Anspruch auf Richtigkeit der Darstellung der gewählten Epoche zu erheben. Vielmehr wollte er die Stimmung und das Lebensgefühl dieser Zeit vermitteln. Das ist ihm gelungen. In der viktorianischen Zeit angesiedelt, schafft es der Autor mit seinen Worten eine Stadt entstehen zu lassen, die stimmlich an das alte England von David Copperfield erinnert. Mit der Arbeit von Cleverdon etabliert Hagemann die Steampunk-Elemente. Die Stimmung kann er zwar nicht durchgängig halten. Dafür sorgen vereinzelte Dialoge und Gesten, die eher in das Hier und Jetzt gehören. Das sind aber nur wenige Passagen, die das Lesevergnügen und die eigentliche Stimmung der Geschichte nur wenig trüben.

 

Besonders gefallen hat mir die Beschreibung der Buchhandlung. Das Läuten der Glocke an der Tür, die sich schier ins unermessliche nach oben hin erstreckenden Buchregale, die zum Teil nur durch eine Wendeltreppe zu erreichen sind, das durch die schmutzigen Fenster schummrige Licht, das auf die Regale fällt: Zutaten einer gelungenen Schauplatzbeschreibung, die Raum für eigene Phantasien lässt. Ich habe mich sofort heimisch gefühlt und wollte die Buchhandlung nicht mehr verlassen. Eine große Entschädigung dafür, dass mir zunächst nicht klar war, dass die Geschichte nicht in der heutigen Zeit angesiedelt ist. 

 

Die Welt in dem magischen Buch, in die Arthur und Finn reisen, hat mich dagegen etwas verwirrt. Vielleicht lag das aber eher an meiner eingeschränkten Vorstellungskraft! 

 

Am Ende des Buches bereitet Hagemann den Leser auf das nächste Abenteuer vor, und enthüllt zuvor ein weiteres und gut gehütetes Geheimnis von einer der Hauptfiguren. Cliffhanger!

 

FAZIT

 

Mit Das Buch der Phantasien legt Andreas Hagemann einen gelungen Start seiner neuen Buchwächter-Reihe hin. Er schafft ein Universum, das ich als Hommage an das Lesen und die Magie der Phantasie verstehe. Dieses wird mit Sicherheit in den Folgebänden weiter ausgebaut, bietet es doch Potenzial für spannende Geschichten rund um den Rat der Buchwächter und den magischen Büchern, die Welten beeinflussen und verändern können. Eine klare Leseempfehlung meinerseits!